Was verbindet die Nymphen des Rheins mit dem Echo der Donau? Es sind Titel zweier Sammlungen mit Musik für Viola da gamba von Johan Schenck (1660-1717?), einem Virtuosen auf diesem
Instrument und Komponisten aus Amsterdam. „Le Nymphe di rheno“ (Die Nymphen des Rheins) widmete er dem rheinischen Kurfürsten Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg und „L´écho du danube“ (Das Echo der
Donau) dem Baron zu Diemantstein aus der Nähe von Bissingen an der Donau. Bei diesem scheint Schenck einige Zeit verbracht zu haben, wie man dem Vorwort zur Ausgabe von entnehmen kann. Er
schreibt, dass er noch nach seinem Besuch beim Baron an der Donau ein Echo dieser Zeit in sich hört und die offenbar versprochene Musik nunmehr niedergeschrieben hat. In den beiden Solosonaten
aus dem „Echo“ zeigt Schenck, was eine Gambe allein zu leisten vermag, in den Duetten der „Nymphen“ treten beide Gamben in einen Dialog auf „Ohrenhöhe“.
Georg Zeike und Miyoko Ito von der Musizierenden Gesellschaft Leipzig führen mit ihren Gamben und Moderationen durch Johan Schencks
Klang-Wasserwelten
Was zeichnet die Musik Kriegers und Höfflers aus? Die Werke des Programmes sind dem Stylus phantasticus verpflichtet. Das ist eine freie Art zu komponieren, bei der Affekt und Tempo oft
unvermittelt wechseln und die Zuhörenden so von einem Extrem ins andere versetzt werden. Dabei wechseln sich herrliche Arien mit furiosen improvisationsartigen Passagen ab. Die Werke werden so zu
kleinen dramatischen Geschichten, einer Mini-Oper ohne Worte sozusagen. Johann Philipp Krieger und Conrad Höffler waren fast gleichaltrig in Nürnberg aufgewachsen und erhielten beide ihren ersten
musikalischen Unterricht bei Gabriel Schütz, der in der fränkischen Metropole als Komponist, Gambist und Zinkspieler wirkte. Krieger verließ Nürnberg um sein fünfzehntes Lebensjahr und ging nach
Kopenhagen. Spätestens 1670 zog es ihn zurück in seine fränkische Heimat wo er für ca. drei Jahre gemeinsam mit Conrad Höffler am Hof des Markgrafen Christian Ernst in Bayreuth als Organist und
Kapellmeister angestellt wurde. Als 1673 der Markgraf in den deutsch-französischen Krieg zog, wechselte Höffler nach Ansbach, während Krieger zu einer zweijährigen Reise nach Italien
aufbrach.
1675 kehrte er mit einem Umweg über Wien nach Bayreuth zurück und hatte verschiedene kürzere Verpflichtungen in Frankfurt/Main und Kassel. 1677 wechselten beide, Krieger und Höffler, an den Hof
nach Halle, der bereits 1680 in das neuerbaute Schloß Neu-Augustusburg in Weißenfels umzog.
Hier begann für die beiden Franken die wohl ergiebigste Phase ihres Wirkens, Krieger verfasste und druckte unzählige Werke. Höffler veröffentlichte sein einziges überliefertes Werk „Primitiae
Chelicae“, zwölf Suiten für Gambe und Basso continuo. Damit extrahierte er den Kern seines Schaffens, mit dem er am Weißenfelser Hof so beliebt war.
Höffler starb im Jahre 1696 als hochgeehrter und geschätzter Mann. Sein enger Freund Krieger lebte indessen ebenfalls in hohem Ansehen bis 1725 in Weißenfels.
Musizierende Gesellschaft Leipzig
Nadja Zwiener, Leipzig – Violine
Georg Zeike, Markkleeberg – Viola da gamba, Konzeption und Leitung
Leif Meyer, Kopenhagen – Cembalo
Es muss nicht immer Vivaldi sein! Im Gegenteil, schon ca. 60 Jahre vor dessen berühmten Zyklus "Die vier Jahreszeiten" entstanden in Scampton, einem Landsitz des Sir Robert Bolles, „The Seasons“
von Christopher Simpson. Dorthin hatte man sich 1644 nach der beendeten Belagerung von York zurückgezogen und pflegte über Jahre hinweg u.a. das private Musizieren.
Simpson, dessen Lehrwerk „The Division Viol“ eines der bedeutendsten frühen Lehrwerke für das Gambenpiel darstellt, traf in dieser Zeit des öfteren mit John Jenkins (1592-1678) zusammen und so
beeinflussten sich die beiden führenden Köpfe der letzten großen Phase englischer Gambenkompositionen gegenseitig. In deren Fancy-Suites floß zunehmend die damals moderne Art des Basso continuo
ein, häufig wurden ein Cembalo, eine Laute oder gar eine Orgel mit teilweise auskomponierten Partien den Gamben zugesellt.
In unserem Konzert, das „The Seasons“ in den Mittelpunkt stellt, wird die seltene Besetzung mit Diskantgambe und zwei Bassgamben vom Cembalo begleitet. Ergänzt werden die beiden
Jahreszeiten-Fantasias durch Werke von Simpsons engem Kollegen John Jenkins.
Æquius-Consort
Georg Zeike, Viola da gamba, Moderation und Leitung
Miyoko Ito und Kathleen Lang, Viola da gamba
Christopher Berensen, Orgel und Cembalo
„Time stands still“/„Flow, my tears“ – In seinem ersten und zweiten Book of Songs überlieferte uns John Dowland (1563-1626) zahlreiche Lieder, die man heute als Hits oder Schlager bezeichnen
würde. Sie wurden sowohl als Sololied zur Laute gesungen als auch im Ensemble. Einige Titel sind sogar instrumentaler Herkunft und wurden erst später mit Texten unterlegt.
Lieder wie „Time stands still“, „Can she excuse“, „Now, o now“ sind auch heute noch bekannt und wurden u.a. von Popstars wie Sting aufgegriffen.
Und da sind natürlich die unsterblichen „Lachrimae Pavans“, die das Lied „Flow, my Tears“ zum Ursprung haben. Dieses Thema war zu Dowlands Zeiten schon so berühmt, das es Komponisten wie Jan
Pieterzon Sweelinck, Heinrich Scheidemann, Alfonso Ferrabosco d.Ä. oder Samuel Scheidt in ihren Werken zitiert oder als Grundlage verwendet haben. Einige dieser „Coverversionen“ sowie mehrere
Lautenlieder werden in diesem Programm mit Tenor, Laute und vier Gamben aufgeführt.
Æquius-Consort
Georg Zeike – Viola da gamba, Konzeption und Leitung
Christian Volkmann – Tenor
Stephan Rath – Renaissancelaute
Gertrud Ohse, Kathleen Lang, N.N. - Viola da gamba
Musizierende Gesellschaft Leipzig
Georg Zeike - Viola da gamba
Christopher Berensen - Tafelklavier
Während sich die Viola da gamba am Ende des 18. Jahhunderts aus dem musikalischen Mainstream zurückzog, eroberte das Klavier zur selben Zeit die Konzertbühnen ebenso wie den privaten Musiksalon.
Dennoch sind sich die beiden Instrumente noch "begegnet" und vereinten sich zu einem Ensemble, das für den empfindsamen Stil wie geschaffen war.
Das Tafelklavier mit seinem zarten und resonanten Klang umfließt die Töne der Gambe, ohne sie zu verdecken. Mit heutigen Klavieren wäre das garnicht möglich und es ist ein seltenes Glück, ein
originales Tafelklavier aus dem 18. Jahrhundert live erleben zu können.